Berlusconi…

Wie bereits angekündigt, habe ich mich auf die Suche nach Unterlagen zur Person Silvio Berlusconi begeben. Wie erwartet, gestaltete sich die Suche nicht sonderlich schwierig, da er als Meister der Selbstinszenierung gilt, darf natürlich die tägliche Präsenz in In- und Ausländischen Print- und Digitalmedien nicht fehlen. In aller Kürze möchte ich im folgenden Abschnitt das breite Spektrum, welches die Person Berlusconi umfasst etwas eingrenzen und überschaubar machen.  Zu Beginn sei gesagt, Berlusconi wurde zum politische, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Phänomen durch seine Selbstinszenierung und durch die Gabe, sich selbst immer im guten Licht des Alleskönners, des Weltbesten und des ewigen Strahlemannes zu präsentieren. Berlusconi umgeben drei grundsätzliche Säulen seiner Macht: Mediaset (Fininvest), zeitweise die staatliche RAI, sowie seine Werbeagentur Publitalia. Zum besseren Verständnis: Berlusconi ist Hauptaktionär des Medienkonzerns Mediaset. Diese ist dem Fininvest Konzern untergeordnet, auch dieser größte nicht börsennotierte Konzern Italiens unterliegt Berlusconis Mehrheit. Mediaset bildet die Muttergesellschaft der drei großen italienischen Privatsender, Tele 5, Rete Quattro und Italia 1. Bis zu seiner Wahlniederlage im April 2006 war Berlusconi als Ministerpräsident auch Machthaber über das staatliche Fernsehen, Radiotelevisione Italiana – RAI. Die Regierung steckt hierfür den finanziellen Rahmen und ernennt das Führungspersonal. So lässt sich zusammenfassend sagen, dass Berlusconi am Gipfel seiner Macht, also zu der Zeit als er Regierungschef Italiens war, sowohl das staatliche Fernsehen als auch das Privatfernsehen nach Belieben verwalten konnte. Dies kann durch Zahlen verdeutlicht werden: Mediaset und das staatliche Fernsehen RAI haben eine Reichweite von 90% in Italien. Als Zugabe kommt dann noch die eigene Werbeagentur Berlusconis, Publitalia hinzu, welche einen großen Teil des Anzeigenmarktes in Italien beherrscht.  

Hier kommt zu Recht die Frage nach der Presse- und Meinungsfreiheit auf, genauso wie die Frage nach Demokratie. Besonders wenn wir die Medien als vierte Macht im Staate sehen, kann der Karriere Berlusconi wohl kaum viel Fortschrittliches und Demokratisches angerechnet werden.  Doch wie kam Silvio Berlusconi zu so viel Macht? Berlusconi wurde 1936 in Mailand geboren. Bereits mit 24 Jahren gründete er eine Bauholding. Sein kaufmännisches Talent flammte bereits damals auf. Sein Bauunternehmen realisierte bereits in den ersten Jahren große Bauten für tausende von Menschen in der norditalienischen Metropole Mailand. Wo der Jungunternehmer damals seine finanziellen Mittel auftrieb, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Immer wieder werden Verbindungen mit der Mafia und mit illegalen Geschäften genannt, doch konnte Berlusconi nichts ausreichend nachgewiesen werden. Mit dem verdienten Kapital, stieg Berlusconi in die Medienbranche ein. Bereits 1979 übernahm er einen regionalen TV Sender zu 100%. 1982 folgte die Gründung von Fininvest. In den folgenen Jahren kamen auch internationale Beteiligungen hinzu, so etwa in Spanien, Deutschland und Kanada.  

Neben Politik und Medien engagierte sich der Strahlemann seit je her für den Sport. Der Höhepunkt zeigte sich hier mit der Großbeteiligung am Serie A Fußball Club AC Milan. Seit 1986 ist Berlusconi Präsident des mehrfachen italienischen Meisters.   Ab den 90iger Jahren begann seine Politik Karriere. 1993 stand er mit seiner rechtsliberalen Partei „Forza Italia“ als Spitzenkandidat fest und gewann die Parlamentswahlen im Frühjahr 1994. Daraufhin folgte ein ständiges Auf und Ab in der Politkarriere Berlusconis. Trotz zahlreicher Gerichtsverhandlungen und Verurteilungen, welche er nur durch seine Amnestie als Regierungschef nicht antreten musste, ist er bis heute, einer der prominentesten Politiker Italiens. Mehr als seine politischen Fähigkeiten, machen Berlusconi andere Eigenschaften zu einer Aufsehend erregenden Person. Dabei wird aber immer deutlicher, dass das Zusammenspiel seiner drei Säulen der Macht, ihm bis heute zu dem machen was er ist. Wie ein Spiel, kann er beliebig das politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben Italiens dirigieren. Auch wenn seine Wahlniederlage 2006 gegen Romano Prodi Spuren hinterlassen hat, sind das Zusammenspiel von Medien, Politik und Werbung, auch heute noch klar sichtbar. Diese drei wichtigen Punkte, sind in Italien vereint in einer Hand, Berlusconis Hand, deshalb wird sein Einfluss auch nach seiner Wahlniederlage noch lange zu beobachten sein. Zu einflussreich sind seine aufgebauten Imperien und vor allem zu undurchsichtig um dagegen vorzugehen. Es würde mich sehr freuen Kommentare von euch zu erhalten, um so weitere Anregungen für die Bearbeitung des Themas zu bekommen. Nach dem Exkurs über Berlusconi soll es beim nächsten Mal wieder mit konkreten Beispielen über die freien Radios in Italien weiter gehen.  lg Mirjam

Eine Antwort zu “Berlusconi…”

  1. kaseopeia sagt:

    Dass eine Person wie Berlusconi in der Wirtschaft Erfolg haben konnte, ist dem kapitalistischen System zuzuschreiben, das Auftritt, Aussehen und Präsenz ebenso honoriert wie Können, Einsatz und Fleiß, die im übrigen, wie ich glaube, Berlusconi als positive Eigenschaften wohl zu eigen sind. Dass Berlusconi auch in der Politik derartig erfolgreich sein konnte, mag teils auch an diesen Eigenschaften liegen, teils jedoch meines Erachtens auch an der Unterstützung aus der Gesellschaft für seine Person. Dabei ist natürlich wichtig zu differenzieren, ob die breite Masse tatsächlich ihn mitsamt seinen Machenschaften oder das von ihm aufgebaute Image und Bildnis von sich selbst gut heißt - ich denke wohl eher letzteres.

    In diesem Kontext möchte ich einen Artikel erwähnen, den ich unlängst gelesen habe und der die These aufstellt, aus soziologischer Sicht seien bestimmte Völker oder Gesellschaften eher geneigt, Autoritätspersonen hervorzubringen und sie zu unterstützen als andere. Demnach sei gerade Italien für die Leitfigur eines starken “Führers” prädestiniert. Eine interessante These, wie ich finde, denn ihre logische Konsequenz besagt, dass Berlusconi nur in einer Gesellschaft wie in der italienischen tatsächlich so weit kommen konnte, da diese sich nach der charismatischen Führungsperson sehne und daher eine solche Figur sich auch leichter durchsetzen könne.

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