Vom Medienmogul Berlusconi erscheint die Überleitung zu einem Beispiel für Alternative Medien vielleicht etwas groß, dennoch, werden die Alternativen Medien Italiens bis heute wesentlich von den Regierungsentscheidungen beeinflusst. Unter der Macht Berlusconis als Ministerpräsident, war dieser Einfluss eindeutig negativ. Mit dem neuen Ministerpräsidenten Prodi, scheint eine Aufweichung der Gesetzgebung in Sicht, zumal hier vor allem wichtig ist, dass Prodi persönlich nicht direkt ins Mediengeschäft verstrickt ist.
Zum kurzen Überblick, den ich bisher gegeben habe, der vor allem allgemeiner Natur sein sollte, folgt nun ein kurzes Statement über zwei konkrete Beispiele alternativer Radios in Italien.
§ WOW- Women On Work
Wie bereits in der Einleitung (1. Blog) erwähnt, handelt es sich bei WOW um eine Non Profit Organisation, welche sich vor allem für soziale Belange interessiert und einsetzt. Women On Work wurde 1993 in der Toskana gegründet. Neben den Mitgliedern im Ursprungsland Italien hat sich WOW auch in anderen europäischen Ländern etabliert und arbeitet dort mit öffentlichen Organisationen, Mediengesellschaften, Weiterbildungszentren und verschiedenen Radio- und Fernsehstationen zusammen.Leitgedanke von WOW ist Kommunikation. Kommunikation jedoch nicht im herkömmlichen Sinne, sondern Kommunikation soll vor allem soziale Einigung schaffen. Das Recht sich mitzuteilen soll jeden offen stehen, egal welchem Geschlecht, welcher Hautfarbe, welcher Sprache und welcher Sozialen Gruppe jemand angehört. WOW bietet demnach eine Plattform wo sich Menschen austauschen und gegenseitig helfen können. WOW trägt diesen Gedanken der Hilfe zur Selbsthilfe noch weiter. Bereits die Gründervereinigung einiger toskanischer Frauen war sich im Klaren, dass eine Plattform größeres Potenzial hat Arbeit zu vermitteln als eine einzelne Person. Aus diesem Grund gehört seit einigen Jahren auch die Ausbildung von Medienfachleuten zu den Aufgaben von WOW. Ziel ist es qualifizierte Menschen auszubilden, die sich im harten Mediengeschäft etablieren können, und für denen diese Ausbildung finanziell auch erschwinglich ist. Durch die zahlreichen nationalen und internationalen Kontakte von WOW, ist die Ausbildung, welche angeboten wird auch auf einem aktuellen technischen Stand. Viele junge Frauen aber auch Männer nutzen diese Möglichkeit um erste Erfahrungen im Berufsleben zu machen und sich zu etablieren. Diese Weiterbildungsmöglichkeiten (über Marketing, Radiotechnik ect.) sind nur in Zusammenarbeit mit der Region Toskana, verschiedenen öffentlichen Körperschaften und der europäischen Union möglich. Zweites Standbein von WOW bildet die Produktion von Radio- und Fernsehsendungen und einem Internetauftritt. All diese Medien sollen Produzenten als auch Zuhörer nutzen um sich weiterzubilden, sich zu informieren, sich zu unterhalten und neue Perspektiven zu erhalten. Das Internet hilft WOW vor allem über die Grenzen hinweg mit den europäischen Partnern wie Spanien, Irland, Finnland, Schweden und Griechenland in Verbindung zu bleiben und den Nutzern von WOW das weite Spektrum der Medien sowie des vereinten Europas nahe zu bringen.
Wie ich finde, eine eindrucksvolle Institution, welche sich auch durch die schwierigen Zeiten während Berlusconis Amtszeiten gerettet hat. Die Chancen zu bekommen sich durch Weiterbildung selbst zu verwirklichen, kann wohl noch höher eingeschätzt werden als die Möglichkeit sich via Radio oder TV mit anderen auszutauschen.
§ Radiosa- la radio che osa…
Dieses Programm, das national ausgestrahlt wird, behandelt laufend Themen zur Problematik der Gleichberechtigung von Mann und Frau. Vorrangiges Ziel ist es, dass Selbstbewusstsein der Frauen zu stärken um ihnen die Sicherheit zu geben gegen manche Ungerechtigkeit vorzugehen, welche gegen sie auch in heutigen demokratischen Staaten vorkommt. Dieses Radioprogramm, welches in Zusammenarbeit mit WOW entstanden ist, soll auf Probleme aufmerksam machen und zeigen, dass durch den zwischenmenschlichen Austausch zwischen Frauen etwas bewegt werden kann. Das Programm hat sich seit 1997 etabliert und erfreut sich regem Zuspruch.
Mit diesen beiden Beispielen möchte ich mein Blog vorläufig schließen. Ich muss gestehen, vor dem Besuch der Lehrveranstaltung „Alternative Öffentlichkeit“ an der Uni, habe ich mich mit Themen wie freie Radios nicht auseinandergesetzt. Im Laufe der Recherche und den zahlreichen positiven Beispielen (wie WOW und Radiosa) habe ich mich aber von der Sinnhaftigkeit solcher Projekte überzeugen lassen. Ich sehe alternative Medien heute, als eine Anlaufstelle, die für manch „alternatives“ Problem für keinen von uns ausgeschlossen werden sollte.
Lg und ein gutes Semesterende wünscht
Mirjam